Wil aus Norden

Dina Hänseler und Rebekka Spalinger, 5b, 2010
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Blick vom Flüestig auf Wil in Richtung Süden (ca. 1900 oben, 2010 unten)
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Die nachfolgende Grafik zeigt die Bevölkerungsentwicklung von Wil seit 1850. Als 100% gilt der Stand von 1850. Von 1850 bis 1870 bleibt die Einwohnerzahl stabil. Bis zur Jahrhundertwende geht sie um circa zwanzig Prozent zurück. Nach einem leichten Anstieg fällt die Einwohnerzahl bis zu einem Tiefpunkt 1950. Seither hat die Bevölkerungszahl mit Ausnahme eines kleinen Rückgangs um 1980 strak zugenommen. Beachte, dass die y-Achse nicht bei Null beginnt.
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In der nächsten Grafik wird die Bevölkerungsentwicklung von Wil mit derjenigen von Zürich verglichen. In Zürich nahm die Bevölkerung von 1850 bis 1890 leicht, danach und bis 1960 schnell zu. Danach folgt eine bedeutende Abnahme bis 1980. Seither ist die Einwohnerzahl Zürichs in etwa stabil.

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Die Einwohner der Gemeinde Wil lebten im 19. Jahrhundert vor allem von Landwirtschaft und Weinbau. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts erlebte die Industrie eine weltweite Überproduktion. Da deshalb der Lohn der Arbeiter sank, verringerte sich die Nachfrage nach landwirtschaftlichen Produkten. Gleichzeitig litt die Schweizer Landwirtschaft unter billigen Importen von Getreide und einem Preisrückgang. Zudem verringerten sich die Einnahmen aus Weinbau infolge mehrerer schlechter Jahre und neuen Krankheiten (zum Beispiel falscher Mehltau). Deshalb zogen manche Einwohner von Wil und anderen ländlichen Gebieten in die Städte, um in der Industrie zu arbeiten. Dies führte zum Anstieg der Zürcher Bevölkerung.

Um 1900 wurden allerdings auch im Rafzerfeld einige Industriebetriebe gegründet, und es kam wieder zu einen leichten Anstieg der Bevölkerung. Zur Zeit des Zweiten Weltkriegs erreichte die Einwohnerzahl von Wil wieder einen Tiefpunkt.

Seit 1950 wuchs die Bevölkerung aufgrund verbesserter Transportwege und Individualverkehr an. Durch die Eröffnung der Eisenbahnlinie von Schaffhausen nach Zürich und billiger werdenden Autos an, konnten Wohn- und Arbeitsort räumlich getrennt werden. Während zuvor viele Menschen in die Städte auswanderten um dort zu arbeiten, kam es nun zu einer Trendumkehr, und viele zogen in ländliche Regionen. Hinzu kommt noch der Babyboom nach dem Zweiten Weltkrieg, der die Bevölkerung wachsen liess. In den 60er-Jahren wurden schliesslich grosse Gebiete im Rafzerfeld zur Ausbeutung von Kies freigegeben. Kurz darauf entstanden Kieswerke, welche weitere Arbeitsplätze schufen.

Dass die Bevölkerung aber auch nach 1950 nicht so stark zunahm wie in Nachbargemeinden liegt daran, dass der Wiler Bahnhof relativ weit vom Dorf entfernt ist. Zuzügler bevorzugen besser erschlossene Dörfer wie Rafz oder Eglisau.

Zwischen 1900 und 2009 ist die Einwohnerzahl von Wil von 750 auf 1294 gestiegen. Dies lässt sich an der Zunahme der Anzahl Wohnhäuser gut erkennen. Obstbäume im Norden Wils (im Bild Mitte rechts) wurden grösstenteils abgeholzt, um Platz für neue Wohnsiedlungen zu schaffen. Alte Wege wurden geteert und neue Strassen gebaut. Oben links erkennt man im neuen Bild ein Kieswerk. Die dazu gehörige Kiesgrube erstreckt sich quer über das ganze Bild, wo 100 Jahre zuvor noch Felder waren.